ARISTOPHANES,  HACKS  UND  SEITENHIEBE  (12.2013)
Seite 01; 02; 03; 04; 05

Peter Hacks über Aristophanes: "Größter Lustspielschreiber der bisherigen Zeit, Erfinder aller lächerlichen Grundsituationen eines Komödientyps, dem erst Shakespeare 2.000 Jahre später einen gleichwertigen zur Seite gestellt hat."1

Die Komödie zu Aristophanes' Zeiten vereint Dichtung, Satire, Obszönität, dramatische Handlung, humanistisches Bestreben, impulsive Publikumsnähe und Kabarett, wodurch der Mensch in seiner Ganzheit gepackt wird. Die heutige Komödie hingegen ist in Sparten aufgeteilt. Sie trägt den geschmacklichen Neigungen eines Publikums Rechnung, das sich meist schon vor der Öffnung des Vorhangs (und insbesondere vor dem Start des Films) in seiner genretypischen Erwartung bedient weiß.
       Aristophanes hat gesellschaftliche und politische Kritik in seine Stücke einfließen lassen und in nie da gewesener Narrenfreiheit und Virtuosität den Bühnenraum mit Worten und Bildern ausgeschöpft. – Der geschichtliche Hintergrund im Frieden, der zurzeit der ersten Phase des Peloponnesischen Krieges (431-421 v. u. Z.) und ein Jahr vor dem tatsächlichen Frieden geschrieben wurde, erschwert natürlich für das heutige Publikum den Zugang zum Kern des Stücks; denn zwangsläufig besitzen die damaligen Politiker, Feldherren und auch die griechischen Götter nicht mehr die Popularität, wie es noch vor 2.500 Jahren der Fall gewesen ist. Man sieht also, dass gerade bei den "unsterblichen" Persönlichkeiten die Vergänglichkeit ansetzt und dass nur jenes, was wirklich von Wert ist, in der Kunst überdauert. Dies ist ein erster Ansatzpunkt für das, was Peter Hacks an einer Fabel so schätzt. Sie ist ein synthetisches Konstrukt, das in seiner Bedeutung über das einfache Führen einer direkt erfahrbargemachten Handlung hinausweist, wie wir noch sehen werden.

Platon2 über Aristophanes: "Einen Tempel wünschten die Grazien, der nicht vergänglich – suchten und fanden dabei des Aristophanes Geist."

___
01 Peter Hacks; Über Kortners "Sendung der Lystrata"; 1965
02 Zumindest wird Platon diese Zeile zugeschrieben. Quelle: Aristophanes; der Frieden; Reclam, im Nachwort von Jürgen Werner, Leipzig 1954


nächste Seite
zurück zur Startseite